Chronisches Schmerzsyndrom
Im Gegensatz zum akutem Schmerz (Schutzschmerz), der dem Gehirn ein Warnsignal für körperliche Störungen meldet, hat sich der chronische Schmerz von der ursprünglichen Funktion abgelöst und existiert selbstständig. Die Nervenzellen des Betroffenen melden dem Gehirn mitunter Schmerzen, wo gar keine sind.
Nach Angaben der Deutschen Schmerzliga leiden mindestens acht Millionen Bundesbürger an schweren Dauerschmerzen. Etwa zehn Prozent davon haben eine so schwierig zu behandelnde Schmerzerkrankung, dass nur Spezialisten - ärztlicher Schmerztherapeuten - helfen können. Deren Behandlungsangebote werden aber immer noch zu wenig genutzt.
Man unterscheidet - wie bei der akuten Schmerzsymptomatik auch - drei Grundtypen von Schmerzen:
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Periphere Projektionsschmerzen (Trigeminusneuralgie, Sudeck-Syndrom, usw.)
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Zentraler Schmerz, der in Gehirn oder Rückenmark entsteht (z. B. brennender Dauerschmerz nach einem Schlaganfall, "Thalamusschmerz")
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Übertragungsschmerz (der Schaden eines inneren Organs projiziert sich als Schmerz auf ein bestimmtes Hautareal, "Head-Zonen")
Symptome
Dauert ein Schmerzgeschehen so lange an, dass es sich verselbständigt hat (normalerweise drei bis sechs Monate), handelt es sich um einen chronischen Schmerz. Die ursprüngliche Ursache des Schmerzgeschehens existiert nicht mehr oder kann nicht mehr behoben werden. Zudem können viele Umwelteinflüsse wie Stress oder Wetteränderungen die Schmerzen triggern oder verstärken. Oft sind auch verschiedene Schmerzformen bei einer chronischen Schmerzsymptomatik vereint.
Die häufigsten chronischen Schmerzformen sind:
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Rückenschmerzen (u. a. nach Bandscheibenvorfall, Nervenwurzelkompressionssyndrom)
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Kopfschmerzen (u. a. Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz)
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Rheumatische Schmerzen (u. a. Arthritis, Fibromyalgie)
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Neuralgien (u. a. Trigeminusneuralgie, Gürtelrose)
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Tumorschmerzen (vor allem bei Knochenmetastasen)
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Degenerative Schmerzen (u. a. Osteoporose, Arthrose)
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Phantomschmerzen (u. a. nach Amputationen oder Plexusabriss)
Diagnostik
Nur etwa 60 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen begeben sich in ärztliche Behandlung. Doch zeigen schon die fein differenzierten Schmerzformen und die Entstehung des chronischen Schmerzes, dass bei dieser Symptomatik eine sehr ausführliche Diagnostik der vielfältigen Therapie vorausgehen muss.
Der behandelnde Arzt wird sich nach Ihrer aktuellen Lebenssituation und besonderen Belastungsfaktoren erkundigen. Denn die Gefühlslage und die emotionale Unterstützung durch nahestehende Menschen beeinflussen die Schmerzwahrnehmung. Zusätzlich wird er sie bitten, die Intensität der Schmerzen auf einer Skala einzutragen (z. B visuelle Analog-Skala).
Die folgenden Untersuchungen werden je nach Schmerzort und Grunderkrankung miteinander kombiniert:
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Eingehende körperliche Untersuchung;
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Neurologische Untersuchung;
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Orthopädische Untersuchung;
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Eventuell zusätzlich neurophysiologische Diagnostik: ENG und EMG;
- Bildgebende Untersuchungsverfahren wie Ultraschall, Computer-Tomographie (CT) oder Kernspin-Tomographie (MRT).
Therapie
Patienten mit chronischen Schmerzen, sollten entsprechend den vielfältigen Ursachen und verstärkende Faktoren ihrer Krankheit mit einer Kombination sich ergänzender Verfahren behandelt werden, die sowohl körperliche, seelische als auch soziale Aspekte umfassen. Um die Fehlleistung der schmerzverarbeitenden Nervenzelle zu stoppen, liegt der Behandlungsansatz von chronischen Schmerzen zum einen in der Unterbrechung der Schmerzleitung, zum anderen auch in einer Veränderung der Schmerzwahrnehmung des Patienten.
Medikamente
Medikamente bilden häufig die Basis einer Dauerbehandlung. Die medikamentöse Schmerztherapie wird laut WHO Richtlinien in drei Stufen unterteilt:
- Stufe I: Nichtsteroidale Antirheumatika bei leichten Schmerzen;
- Stufe II: Opioide bei mäßig starken bis starken Schmerzen;
- Stufe III: Opioide bei starken bis stärksten Schmerzen.
Nicht selten steht am Anfang der Behandlung ein Entzug von solchen Schmerzmedikamenten, die für die Chronifizierung der Schmerzkrankheit mitverantwortlich sein können. Vor allem bei Kopfschmerzen entwickelt sich leicht ein so genannter Medikamenten-induzierter Kopfschmerz, wenn die Erkrankten an mehr als zehn Tagen pro Monat ein Schmerzmittel einnehmen.
Zusätzlich können bei bestimmten Schmerzformen weitere Medikamente gegeben werden, etwa entkrampfende Mittel bei Koliken. Bestimmte Antidepressiva haben völlig unabhängig von ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung eine sehr gute schmerzlindernde Komponente.
Eine weitere Gruppe von Mitteln gegen Dauerschmerzen stammt aus der Gruppe der Anti-Epileptika. Vor allem gegen Nervenschmerzen (Neuralgien) haben sich Wirkstoffe wie Carbamezepin, Oxcarbazepin, Gabapentin oder Pregabalin bewährt.
Andere Therapien
Neben der Psychotherapie und der medikamentösen Einstellung stehen je nach Schmerzform weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
- Akupunktur;
- Krankengymnastik zur Stärkung oder Entlastung von Muskelgruppen;
- Bewegungstherapie;
- Verhaltenstherapie wie Stressbewältigungstraining oder Biofeedback;
- Autogenes Training;
- Nervenblockaden z. B. Sympatikusblockade durch die intravenöse Gabe von Guanethidin;
- Implantierbare Schmerzpumpen zur kontinuierlichen Abgabe von Medikamenten zur Schmerzmittelspiegelerhaltung;
- Regionalanästhesien z. B. mit Periduralkatheter;
- Entlastungsoperationen z. B. beim Karpaltunnelsyndrom;
- Palliativoperationen zur Schmerzreduktion bei nicht heilbaren Krebserkrankungen.
Lebensstil
Aber auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, wie eine Änderung der Ernährung oder ein Wechsel des Arbeitsplatzes, können den Schmerzalltag positiv beeinflussen.
Bestimmte Therapieformen können nur stationär oder ambulant durchgeführt werden. Hierfür steht Ihnen unsere Schmerzambulanz zur Verfügung.